Broker-Geschäftsmodell · 5 Min. Lesezeit · BrokerFit Redaktion
Wie Broker Geld verdienen: PFOF, Spread, FX (2026)
Wo kommt das Einkommen eines Brokers mit „Null-Provision
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Das Produkt bist du — aber der Mechanismus unterscheidet sich je nach Broker
Die Aufgabe eines Brokers ist es, deine Aufträge auszuführen. Sein Geschäft besteht darin, dabei Umsatz zu generieren. Diese beiden Tatsachen stehen in ständiger Spannung zueinander, und zu verstehen, wie dein Broker den Orderfluss monetarisiert, ist eines der nützlichsten Dinge, die ein Anleger lernen kann.
Die gute Nachricht: Die meisten von der EU/UK regulierten Broker betrügen dich nicht. Die weniger gute Nachricht: Sie arbeiten nicht umsonst. Der Umsatz muss von irgendwoher kommen — und er kommt von dir, nur nicht immer dort, wo du es erwartest.
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1. Spread-Aufschlag — die unsichtbare Gebühr bei jedem Trade
Bei jedem Vermögenswert, den du handelst, gibt es einen Geldkurs (was Käufer zahlen) und einen Briefkurs (was Verkäufer erhalten). Die Differenz dazwischen ist der Spread. Broker, die Null-Provisionen bewerben, vergrößern diesen Spread oft leicht und stecken die Differenz ein.
Wo es relevant ist:
- Liquide US-Aktien: Minimal — $0,01–0,05 pro Aktie, oft nicht wahrnehmbar
- Devisenpaare auf CFD-Plattformen: EUR/USD-Spread typischerweise 0,5–1,0 Pip auf Null-Provisionskonten ($5–10 pro $100.000 Nominale pro Round Trip)
- ETFs auf illiquiden Märkten: Ein kleiner europäischer ETF könnte mit 0,3–0,5% Spread handeln, den der Broker auf 0,6–0,8% vergrößert
- Krypto: Die meisten Retail-Krypto-Desks schlagen den Spread um 0,5–1,5% auf
Wie man es erkennt: Vergleiche den Preis, den du erhalten hast, mit dem Mittelkurs zum Zeitpunkt der Ausführung. „Slippage", die durchweg zugunsten des Brokers ist, ist Spread-Aufschlag, nicht Marktbewegung.
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2. Payment for Order Flow (PFOF) — dein Broker verkauft deine Aufträge weiter
PFOF ist die Praxis, Kundenaufträge gegen eine Zahlung an den Broker zu einem bestimmten Market Maker zu leiten. Der Market Maker verdient den Spread; der Broker kassiert eine Rückvergütung. Deine Order wird ausgeführt — möglicherweise zu einem Preis, der etwas schlechter ist als der beste verfügbare.
- EU (MiFID II): Verboten bzw. wird im Rahmen der EU-Kleinanlegerstrategie schrittweise abgeschafft (MiFID-II-Reform 2024, Übergangsbestimmungen gelten)
- UK: Verboten (FCA hat Anreize verboten)
- USA: Legal — das primäre Modell für Robinhood, TD Ameritrade (Schwab), Webull
- Offshore (Seychellen, Belize, Bahamas): Typischerweise legal
Für unsere Broker: Von der FCA und CySEC regulierte Unternehmen können PFOF für EU/UK-Kunden nicht legal nutzen. Interactive Brokers nutzt PFOF auf seinen institutional-routing-Konten (IBKR Pro) ausdrücklich nicht — Ausführungsqualität ist ein erklärtes Alleinstellungsmerkmal.
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3. FX-Konvertierung — die stille Steuer auf grenzüberschreitendes Investieren
Wenn dein Konto in EUR geführt wird und du eine in USD denominierte Aktie kaufst, konvertiert der Broker dein EUR zu USD. Der Konvertierungskurs enthält einen Aufschlag über dem Interbank-Mittelkurs.
Typische Aufschläge (ungefähr, basierend auf öffentlich verfügbaren Gebührentabellen):
| Broker | FX-Aufschlag | Wird angewendet auf |
|---|---|---|
| Interactive Brokers | ~0,2% (mind. $2 pro Konvertierung) | Alle Cross-Currency-Trades |
| XTB | 0,5% | Auto-Konvertierung beim Trade |
| EXANTE | 0,1% | Optionales Mehrwährungskonto |
| Admirals | 0,1%–0,5% | Abhängig vom Kontotyp |
Bei 12 monatlichen Käufen von €1.000 in US-Aktien beträgt der Unterschied zwischen 0,2% und 0,5% FX-Aufschlag etwa €36/Jahr — in einem Portfolio mit dem Label „Null-Provision".
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4. Wertpapierleihe — deine Aktien arbeiten für andere
Regulierte Broker können deine Aktien an Leerverkäufer ausleihen und eine Leihgebühr erhalten. In den meisten Depotverträgen behält der Broker diese Einnahmen, es sei denn, du meldest dich ausdrücklich für ein Umsatzbeteiligungsprogramm an.
Wie es funktioniert: Der Broker hält deine 100 Aktien eines stark leerverkauften Unternehmens. Ein Hedgefonds zahlt dem Broker 2–8% pro Jahr, um sie zu leihen. Dein Konto zeigt 100 Aktien; der Hedgefonds leiht sie und verkauft sie leer. Der Broker kassiert die Leihgebühr.
Ist es für dich riskant? Ja — theoretisch. Wenn der Broker deine Aktien ausleiht und dann bankrott geht, bevor er sie zurückgibt, bist du ein ungesicherter Gläubiger für den Wert dieser Aktien. In der Praxis müssen regulierte Broker Sicherheiten gegen verliehene Positionen (102–105% des Wertes) halten, und dein Anspruch richtet sich gegen die Sicherheiten, nicht gegen den Kreditnehmer.
Interactive Brokers betreibt ein Stock Yield Enhancement Program (SYEP), das Leiheinnahmen 50/50 mit Kunden teilt. Die meisten Broker teilen sie überhaupt nicht.
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5. Inaktivitäts- und Stilllegungsgebühren
Mehrere Broker berechnen eine monatliche Gebühr, wenn du innerhalb eines definierten Fensters keine Trades platziert hast. Das dient der reinen Kostendeckung — der Broker trägt weiterhin Verwahrungs- und Berichtskosten für ein inaktives Konto.
Aktuelle Inaktivitätsgebühren (verifiziert):
| Broker | Gebühr | Greift nach | Bedingungen |
|---|---|---|---|
| EXANTE | €50/Monat | 90 Tage | Freies Guthaben <€5k UND keine offenen Positionen |
| XTB | €10/Monat | 12 Monate | Keine Trades in 12 Monaten |
| Interactive Brokers | $0 (2021 entfernt) | — | — |
| Admirals | €10/Monat | 24 Monate | Keine Trades in 24 Monaten |
Hinweis: Die EXANTE-Gebühr klingt happig, ist aber an strenge Bedingungen geknüpft — ein aktiv angelegtes Konto ist befreit. XTB ist milder, greift aber früher.
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6. Zinsen auf Kontoguthaben
Wenn dein nicht angelegtes Bargeld auf einem Depotkonto liegt, legt der Broker es zu einem höheren Zinssatz an, als er dir zahlt. Die Spanne zwischen dem Interbankensatz und dem dir gutgeschriebenen Satz ist Umsatz.
In einem Zinsumfeld von 4–5% (2023–2026) wurde diese Spanne bedeutsam. Ein Broker, der €100 Millionen Kundengeld hält und 0% zahlt, während er 4% verdient, generiert €4 Millionen jährliche Zinseinnahmen — aus Konten, die nicht aktiv handeln.
- Interactive Brokers gibt wettbewerbsfähige Zinssätze an Kunden weiter (IBKR Pro)
- Die meisten CFD-Broker zahlen 0% auf nicht angelegtes Bargeld in Handelskonten
- Just2Trade bietet Zinsen auf US-Kontobestände an (aktuelle Sätze in ihrer Gebührentabelle prüfen)
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Was du mit dieser Information anfängst
Das Verständnis des Umsatzmodells bedeutet nicht, einen Broker zu meiden — es bedeutet, zu wissen, welche Kosten für deinen spezifischen Handelsstil wichtig sind:
- Seltener Buy-and-Hold: FX-Konvertierung und Inaktivitätsgebühren sind am wichtigsten. PFOF und Spread-Aufschlag sind vernachlässigbar.
- Aktiver CFD-Trader: Overnight-Finanzierung, Spread-Aufschlag und PFOF sind wichtig. Inaktivitätsgebühren sind irrelevant.
- Großes Portfolio, Multi-Währung: FX-Konvertierungsmodell und Wertpapierleihe sind wichtig. Depotgebühren werden ab einer gewissen Depotgröße relevant.
Lies die tatsächliche Gebührentabelle, nicht die Marketing-Überschrift. Die Zahlen stehen da — man muss nur wissen, wo man suchen muss.
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Keine Finanzberatung. Gebühren verifiziert aus offiziellen Brokerquellen, Stand 2026. Broker können Gebührenstrukturen aktualisieren.
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